Prof. Dr. Ewald Frie

Vorlesung: November 2021

Copyright: FanyFazii

Mehr als Gutenacht-Geschichten

Geschichte klingt gut, vor allem als Gutenacht-Geschichte. Geschichte als Fach besteht aber nicht nur aus gemütlichen Geschichten, da beschäftigt man sich nämlich mindestens so sehr mit spannendem, wie mit weniger spannendem und manchmal mit sehr ungemütlichem Stoff. Wer Professorin oder Professor für Geschichte ist, muss aber nicht alles über die  gesamte Menschheitsgeschichte wissen. Ewald Frie ist Professor für Geschichte, aber er hat sich auf Neuere Geschichte spezialisiert. Die umfasst allerdings auch einen größeren Zeitraum, als man sich vorstellen kann: nämlich die letzten 500 Jahre.

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In dieser Zeit ist viel passiert, hat sich viel entwickelt – nicht nur in Europa, sondern in der ganzen Welt. Weil aber in den europäischen Schulen oft vergessen wird, dass es auch andere Erdteile mit eigener Geschichte und eigenen Geschichten gibt, hat Ewald Frie ein dickes Buch geschrieben, das Jugendlichen „Die Geschichte der Welt“ erzählt.

Darin erfahren sie Dinge, die auch viele Geschichtslehrerinnen und -lehrer nicht wissen. Zum Beispiel, wie die Menschen um 700 in einer chinesischen Millionenstadt lebten oder wie an der Pazifikküste des heutigen Peru vor 2000 Jahren riesige Pyramiden und tolle Kunstwerke entstanden und dass Europäer im Japan vor 150 Jahren als wild und ungebildet galten.

Ewald Frie schreibt also Bücher. Und er liest viele Bücher, denn wer selber viel liest, erfährt und weiß viele Dinge, die dann wiederum zu Büchern werden können.  Ewald Frie hat immer gerne gelesen. Er konnte schon lesen und schreiben, bevor er in die Schule kam. Er lernte es, ohne dass es jemand groß gemerkt hätte. Wahrscheinlich hat er es sich von seinen älteren Geschwistern abgeguckt – die gaben ihm viele Möglichkeiten dazu. Er wurde nämlich als neuntes Kind in eine Bauernfamilie geboren. Nach ihm kamen noch zwei weitere Geschwister. Für Ewald Fries Entwicklung zum Wissenschaftler war nicht nur der frühe Ansporn zum Lesen wichtig, sondern auch dass er sehr früh merkte, dass der Alltag des Bauern und die Landwirtschaft gar nichts für ihn war.  Als Kind drückte er sich erfolgreich vor allen bäuerlichen Tätigkeiten. Ich war landwirtschaftlich eine Niete!, gibt er zu. Bei so vielen Kindern fällt es zwar kaum auf, wenn eines verschwindet und in der Ecke sitzt und liest, doch seiner Mutter gefiel das sogar. Sie unterstützte den Bildungshunger des Jungen sehr. Er las sich also durch die Bücherei des nächsten Dorfes und er las sich, wenn grad nichts anderes da war, durch die Schulbücher seiner Geschwister.

Und weil die Mutter allen ihren Kindern mitgab, dass Lernen und Bildung enorm wichtig sind, haben auch fast alle Geschwister von Ewald Frie früher oder später studiert. Doch keine und keiner von ihnen hätte es geschafft, wenn sie dafür nicht vom Staat gefördert worden waren. Bafög, so heißt das Geld, das Schülerinnen, Schüler und Studierende bekommen, wenn ihre Eltern sich die Ausbildung oder das Studium der Kinder nicht leisten können. Ewald Frie findet, dass Bafög eine großartige Idee und seine Familie ein überzeugendes Beispiel dafür ist, wie diese staatliche Unterstützung die Chancen verbessern kann.

Für Ewald Frie war immer klar, dass er einmal studieren würde.

Die Schulzeit bereitete ihm keine Probleme, er lernte schnell, war aber nicht besonders fleißig, vor allem nicht im Kunstunterricht, da hatte er dann im Abizeugnis eine Vier minus. Doch nach der Schule wusste er erst nicht, welchen seiner vielen Interessen er im Studium nachgehen wollte. Schließlich waren es Geschichte und katholische Theologie, denn Ewald Frie kommt aus einem frommen Elternhaus. Er studierte in der Nähe seines Heimatortes, in Münster. Während des Studiums machte er schon Führungen in einem Museum und arbeitete im Stadtarchiv, also dort, wo alte Schriftstücke bewahrt werden.

Ewald Frie beschäftigte sich viel mit der Geschichte der Gegend, in der er lebte, er beschäftigte sich auch mit dem Thema Armut. Seine Doktorarbeit handelte davon, ob und wie armen Leuten vor rund 100 Jahren vom Staat geholfen wurde. Ewald Frie nahm sich vor, an der Universität zu bleiben und Professor zu werden. Seine erste Professorenstelle bekam er in Trier und von dort aus kam er nach Tübingen.

Wenn man einem Professor für Geschichte einen ganzen Tag lang zugucken würde, wäre das ziemlich langweilig. Da passiert nicht viel. Egal, was der Forscher in den Büchern entdeckt, von außen sieht es nicht aufregend aus. Die historische Forschung besteht ja vor allem aus Lesen von mehr oder weniger alten Schriften und Schreiben. Homeoffice ist dabei problemlos möglich, und Ewald Frie konnte sich, als seine Kinder klein waren, auch die Erziehungsarbeit gut mit seiner Frau teilen. Auch die Lehre betreibt der Professor in Coronazeiten meist von seinem Arbeitszimmer aus. Hier korrigiert er die Arbeiten der Studierenden und hier hält er die Online-Seminare.

Ewald Frie sitzt aber nicht nur am Schreibtisch, er ist auch sportlich, er ist gerne in der Natur, geht im Wald spazieren, fährt Fahrrad. Sein Verhältnis zur Natur ist jedoch weit von dem eines Bauern entfernt, es ist eben das eines Städters.

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